Dienstag, 15. April 2014

Magic und Abnehmen

Derjenige Leser, der sich durch die Überschrift noch nicht abschrecken lies: Ja. Jetzt geht es um einen sehr interessanten Vergleich zwischen dem Deckbau in Magic: The Gathering (ich versuche es möglichst verständlich zu schreiben) und dem Abnehmen.

Magic: The Gathering (MTG) ist ein Sammelkartenspiel. D.h. es gibt unzählige Karten mit denen es gilt eine Kartenansammlung, genannt Deck, zusammenzustellen um gegen einen oder mehrere andere Spieler zu spielen und zu gewinnen. Dabei gibt es einige Möglichkeiten das Spiel für sich zu entscheiden. Die häufigste davon ist es den Gegner seine Lebenspunkte auf 0 zu bringen. Dabei ist es entscheidend den Glücksfaktor des eigenen Spiels so gering wie möglich zu halten;- denn man möchte die guten Karten ja ausspielen können, wenn sie perfekt passen und das Spiel wenden.
Das Problem: Das Deck besteht aus (mindestens) 60 Karten und jede Karte darf nur maximal 4 mal drin vorkommen.

Übertragen auf das Abnehmen bedeutet das: Wir benötigen ein Ziel, auf das wir zusteuern. Das können unterschiedliche Ziele sein: Schlanker aussehen, ein bestimmtes Kleidungsstück soll passen oder X Kilo verlieren und so weiter. Ich denke das meistgebrauchte Ziel ist ein Ziel wie "Verliere X kg". Damit es einfach ist, soll es in diesem Beispiel "Verliere 20 kg" sein. Dieses Ziel möchte man erreichen, in dem man möglichst wenig Glück braucht. Das heißt: Die Möglichkeiten, die man zum Gewichtsverlust hat, sollten möglichst perfekt passen.
Das Problem: Die zur Verfügung stehenden Werkzeuge sind begrenzt.

Bei einem Magic-Deck bedeutet das: Die entscheidenden Karten packt man sich, so oft es geht, in sein Deck und sucht sich dazu Karten, die ähnliche Effekte haben oder die vorhanden Karten unterstützen. Beispielsweise eine Karte die "Ziehe 2 Karten" hat, hat einen ähnlichen Effekt wie "Ziehe 3 Karten und schmeiße eine von der Hand ab". So baut man dann sein Deck zusammen und sucht sich eine Strategie aus. Eine Möglichkeit wäre es den Gegner mit besonders starken (Fachjargon: "dicken"... oh die Ironie....) Kreaturen zu besiegen. Eine andere Möglichkeit wäre besonders viele kleine Kreaturen zu haben. Die nächste wären besondere Kreaturen mit einem Effekt zu haben, die den Gegner direkt Lebenspunkte abziehen. Da gibt es viele Möglichkeiten.

Diese vielen Möglichkeiten gibt es auch beim Abnehmen. Es gibt hunderte Rezepte, tausende Meinungen, duzende Gurus, Milliarden Pillen und unsagbar viele Abnehmstrategien; von Kohlsuppe, Ananasdiät, Vegan, LCHF, Paläo, NLP gibt es verdammt viele Möglichkeiten. Nicht alle sind gut. Nicht alle funktionieren. Doch eins haben sie gemeinsam: Jede Methode hat eine Grundlage und ein bestimmtes vorgehen. Dazu werden eine handvoll Werkzeuge bereitgestellt, die der Abnehmwillige benutzen kann. Wenn er diese zu benutzen weiß (und diese auch wirklich benutzt), der wird Erfolge einfahren können. Und nur dann.

Wer Beispielweise LCHF macht, aber nicht auf Schokolade verzichten kann und diese isst; der ist nicht in seiner gewählten Strategie und spielt eine Karte, die ihm nicht auf seinem Weg hilft. Ist die Deckstragegie eine, die viele kleine Kreaturen spielt, dann hilft es nicht, wenn große Kreaturen im Deck das ziehen der wichtigen Karten verhindern. Wichtig ist die Zusammensetzung seiner Werkzeuge und das ausrichten auf ein Ziel.

Bei Low-Carb könnte das bedeuten: Schmeißt alles Brot aus dem Haus! Dies nimmt nur Platz weg für die Sachen, die ihr braucht. Richtet euch auf eure Strategie ein. Seht zu, dass ihr alles dafür da habt und ihr nicht mal zufällig das falsche "erwischt". Der Feind wird es euch nicht leicht machen.

Und wenn ihr jetzt noch lest: Glückwunsch! Jetzt kommen nämlich die größten Stolpersteine für euch: Euer Gegner.

Nachdem wir jetzt wissen, dass es wichtig ist, nicht über die eigenen Füße zu fallen und sich selbst den Weg zu verbauen (mit falschen Karten oder mit falscher Vorbereitung) können wir den Gegner besprechen. Der Gegner ist alles und jeder, der versucht euch von eurer Strategie abzubringen und damit euch besiegen kann.

Der erste Instinkt von vielen dürfte sowas sein wie: Dann umgeht man halt die Hindernisse. Zugegeben: bei Magic ist es ja Sinn, dass man sich gegenübersitzt und einen Streit ausmacht. Man bewusst die Konfrontation sucht.
Ich dachte das wäre ein Nachteil: Aber nein. Nur so lernt man eine neue Strategie zu testen. Nur so kann man erkennen: "Diese Situation habe ich gar nicht bedacht, kann ich dies vielleicht in mein Deck einsetzen oder ist es für meine Lebenspunkte eher egal, da meine Deckstrategie das Spiel in der nächsten Runde wendet?"

Oder auf gut Deutsch: "Kann ich mir Omas Kuchen gönnen, da ich weiß, dass ich über kurz oder lang zum Ziel kommen werde oder brauche ich eine Gegenmaßnahme, da ein Kuchen meine Pläne zerstört?" In diesem Falle könnte das heißen: Meine Strategie ist No-Carbs und dann kommt ein Kuchen gar nicht gut. Und im Gegensatz zu Magic, kann man hier einfach "Nein" sagen und muss nicht alles zu sich nehmen, was der Gegner einem vorsetzt. Auch wenn er oder sie das gut meint. Oder halt nur Kuchen essen, falls das der Plan ist.

Ich denke das Bild passt ganz gut. Ich habe die Erfahrung gemacht: Versuche dein Deck auf alle möglichen Siegoptionen und Geschehnisse aufzubauen und du wirst davon gar nichts richtig machen. So einfach. Klar, manche Deckstrategien sind mist. Aber die Karten können immer wieder verändert werden und es können neue Stragien erschaffen werden. Oder eine Strategie auf neue Begebenheiten angepasst werden.

So bleibt nur eigentlich nur noch eins zu sagen: Verdammte kacke! Warum kann ich nicht auf mich selbst hören?!?

Damit das auch die letzten Worte waren, schreibe ich diesen Absatz kursiv und tue so als würde ich ihn irgendwo einschieben. Damit wir uns Recht verstehen: Jede Art von Abnehmstrategie ist in Ordnung, wenn man sich die Umgebungsparameter anguckt. Möchte man viel abnehmen benötigt man eine andere, als wenn man wenig in kurzer Zeit abnehmen möchte. So halte ich die Kohldiät für eine Akzeptable Diät-Variante, wenn man auf einen bestimmten Tag zu arbeitet. Beispielsweise eine Hochzeit oder den 100. Geburtstag von Oma. Klar, auf Dauer ist das nichts. Doch das war ja nicht das Ziel.


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