Donnerstag, 19. Juni 2014

Die 10 Regeln der DGE unter meiner Lupe

Die deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. hat Ernährungsregeln aufgestellt. Das besondere dabei: Sie sind die Grundlage für die Ernährungstipps der Bundesregierung. Deshalb schadet es ja nicht sich diese Regel mal anzugucken und zu bewerten.

(Quelle der Regeln: http://www.dge.de/modules.php?name=Content&pa=showpage&pid=15)

Die Lebensmittelvielfalt genießenVollwertiges Essen und Trinken beinhaltet eine abwechslungsreiche Auswahl, angemessene Menge und Kombination nährstoffreicher und energiearmer Lebensmittel. Wählen Sie überwiegend pflanzliche Lebensmittel. Diese haben eine gesundheitsfördernde Wirkung und unterstützen eine nachhaltige Ernährungsweise.

Die Überschrift ist toll und ich gebe Recht. Der Erklärungstext dazu ist ein wenig sehr hohl und nichts sagend. "Angemessene Menge" - mir ist schon klar das ein Kind weniger essen sollte, als ein erwachsender Leistungssportler. Aber eine Definition: Fehlt. Mir ist nicht ganz klar warum Nährstoffarme Lebensmittel so betont werden - klar für Abnehmwillige bestimmt sinnvoll, für Magersüchtige ein Steilvorlage. Es ist mir irgendwie zu platt.

Reichlich Getreideprodukte sowie KartoffelnBrot, Getreideflocken, Nudeln, Reis, am besten aus Vollkorn, sowie Kartoffeln enthalten reichlich Vitamine, Mineralstoffe sowie Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Verzehren Sie diese Lebensmittel mit möglichst fettarmen Zutaten. Mindestens 30 Gramm Ballaststoffe, vor allem aus Vollkornprodukten, sollten es täglich sein. Eine hohe Zufuhr senkt die Risiken für verschiedene ernährungsmitbedingte Krankheiten.
Wie bitte? Nudeln enthalten Vitamine? Vielleicht Vitamin B, aber das kommt eher aus der zugesetzten Milch. Nicht zu vergessen dem zugesetzten Zucker. Das entscheidendere ist hier ein Nebensatz: Vollkorn. Auch wenn das die intelligenteste Aussage (wenn auch unbelegte) in dem Absatz ist. Mein Favorit ist eh der letzte Satz und dürfte alle trainierten und fitten Paleo-, und LC-Anhänger im Dreieck springen lassen.

Gemüse und Obst – Nimm „5 am Tag“Genießen Sie 5 Portionen Gemüse und Obst am Tag, möglichst frisch, nur kurz gegart oder gelegentlich auch als Saft oder Smoothie – zu jeder Hauptmahlzeit und als Zwischenmahlzeit: Damit werden Sie reichlich mit Vitaminen, Mineralstoffen sowie Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen versorgt und verringern das Risiko für ernährungsmitbedingte Krankheiten. Bevorzugen Sie saisonale Produkte.
Ganz prinzipiell halte ich das erstmal nicht für so verkehrt Obst und Gemüse zu essen. Je nachdem sollte man halt auf den Fruchtzucker achten, aber das ist immerhin besser als der Industriezucker. Denke ich zu mindest (ohne es belegen zu können) Der Hinweis auf Saft und Smoothie halte ich für bedenklich. Es wird suggestiert, dass die Aldi-Zuckerpampe viele Vitamine hat. Hat eher nicht.

Milch und Milchprodukte täglich, Fisch ein- bis zweimal in der Woche, Fleisch, Wurstwaren sowie Eier in MaßenDiese Lebensmittel enthalten wertvolle Nährstoffe, wie z. B. Calcium in Milch, Jod, Selen und n-3 Fettsäuren in Seefisch. Entscheiden Sie sich bei Fisch für Produkte mit anerkannt nachhaltiger Herkunft. Im Rahmen einer vollwertigen Ernährung sollten Sie nicht mehr als 300 – 600 g Fleisch und Wurst pro Woche essen. Fleisch ist Lieferant von Mineralstoffen und Vitaminen (B1, B6 und B12). Weißes Fleisch (Geflügel) ist unter gesundheitlichen Gesichtspunkten günstiger zu bewerten als rotes Fleisch (Rind, Schwein). Bevorzugen Sie fettarme Produkte, vor allem bei Fleischerzeugnissen und Milchprodukten.
Ej. Ej. Ej. Ej. Hier findet man die erste wirklich präzise Grammangabe. Das finde ich gut. Auch wenn weißes Fleisch ohne tiefere Begründung bevorzugt wird. Das gleiche gilt bei der Warnung vor Fett. Ich halte es für bedenklich Milch und Milchprodukte generell zu empfehlen ohne auf Laktointoleranz zu verweisen, die eine hohe Verbreitung hat. Auch ist nicht ganz klar ob der Fisch zu denn Grammangaben dazu zählt, sondern nur das Fleisch (welcher Dämlack hat sich denn diese Trennung ausgedacht o0)

Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel
Fett liefert lebensnotwendige (essenzielle) Fettsäuren und fetthaltige Lebensmittel enthalten auch fettlösliche Vitamine. Da es besonders energiereich ist, kann die gesteigerte Zufuhr von Nahrungsfett die Entstehung von Übergewicht fördern. Zu viele gesättigte Fettsäuren erhöhen das Risiko für Fettstoffwechselstörungen, mit der möglichen Folge von Herz-Kreislauf- Krankheiten. Bevorzugen Sie pflanzliche Öle und Fette (z. B. Raps- und Sojaöl und daraus hergestellte Streichfette). Achten Sie auf unsichtbares Fett, das in Fleischerzeugnissen, Milchprodukten, Gebäck und Süßwaren sowie in Fast-Food und Fertig- produkten meist enthalten ist. Insgesamt 60 – 80 Gramm Fett pro Tag reichen aus.
WAS? Diesen Text könnte man fast 1:1 nehmen und auf Zucker anwenden und er behält seine Richtigkeit. Ich halte Zucker ja für gefährlicher als Fett. Aber bekanntlich macht Fett ja Volkskrankheiten, wie Diabetes... ach moment...

Zucker und Salz in MaßenVerzehren Sie Zucker und Lebensmittel bzw. Getränke, die mit verschiedenen Zuckerarten (z. B. Glucosesirup) hergestellt wurden, nur gelegentlich. Würzen Sie kreativ mit Kräutern und Gewürzen und wenig Salz. Wenn Sie Salz verwenden, dann angereichert mit Jod und Fluorid.
Maßen nicht Massen. Aber rein vom Text ermöglichen sie mehr Zucker zu sich zu nehmen, als Fett. Also lese ich da jetzt raus. Ich finde man liest schon raus vorher der Wind weht: Anstatt zu sagen Glucosesirup lassen wir ganz weg, sagen wir: Friss einfach weniger davon. Mal so der Gedanke: Einfach mal weglassen. Leider wird nicht angedeutet in welchen Lebensmittel sich Zucker versteht. Ich tippe ja auf rotes Fleisch. Die zweite Sache ist: Warum soll ich mir Sachen kaputtwürzen? Wenn etwas scheiße schmeckt (vielleicht weil zu wenig fett?) dann sollte man es nicht essen! Das gleiche gilt auch für Salz. Ich habe eigentlich nur Gewürze im Haus, falls jemand anderes bei mir kochen will. Oder ich mich im kochen versuche und dann doch eine Pizza bestelle.

Reichlich FlüssigkeitWasser ist lebensnotwendig. Trinken Sie rund 1,5 Liter Flüssigkeit jeden Tag. Bevorzugen Sie Wasser – ohne oder mit Kohlensäure – Vollwertig essen hält gesund, fördert Leistung und Wohlbefinden und unterstützt einen nachhaltigen Ernährungsstil. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse 10 Regeln formuliert, die Ihnen helfen, genussvoll und gesund erhaltend zu essen. und energiearme Getränke. Trinken Sie zuckergesüßte Getränke nur selten. Diese sind energiereich und können bei gesteigerter Zufuhr die Entstehung von Übergewicht fördern. Alkoholische Getränke sollten wegen der damit verbundenen gesundheitlichen Risiken nur gelegentlich und nur in kleinen Mengen konsumiert werden.
 Kurze Ergänzung von mir: Alkoholische Getränke sollten im Grunde nie getrunken werden. Ansonsten empfehle ich eher ab 3 Litern. Es fehlen wieder Mengenangaben zu dem Zucker. Ansonsten der sinnvollste Text in der ganzen Liste. Mal abgesehen davon, dass Sprudelwasser die allgemeine Wasseraufnahme hemmt. Zu mindest bei mir. Aber das Detail ist in Ordnung.

Schonend zubereitenGaren Sie die Lebensmittel bei möglichst niedrigen Temperaturen, soweit es geht kurz, mit wenig Wasser und wenig Fett – das erhält den natürlichen Geschmack, schont die Nährstoffe und verhindert die Bildung schädlicher Verbindungen. Verwenden Sie möglichst frische Zutaten. So reduzieren Sie überflüssige Verpackungsabfälle.
Man kann auch einfach gutes Fleisch in einer guten Pfanne braten. Ich finde witzig, dass hier von "natürlichen Geschmack" die rede ist und vorneweg wird gesagt: "würzen sie kreativ". Für mich schließt sich das aus.

Sich Zeit nehmen und genießenGönnen Sie sich eine Pause für Ihre Mahlzeiten und essen Sie nicht nebenbei. Lassen Sie sich Zeit, das fördert Ihr Sättigungsempfinden.

Schwierig umzusetzen und einfacher geschrieben, aber: Ja.

Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleibenVollwertige Ernährung, viel körperliche Bewegung und Sport (30 – 60 Minuten pro Tag) gehören zusammen und helfen Ihnen dabei, Ihr Gewicht zu regulieren. Gehen Sie zum Beispiel öfter einmal zu Fuß oder fahren Sie mit dem Fahrrad. Das schont auch die Umwelt und fördert Ihre Gesundheit.
Bullshit-Bingo! Was ist "vollwertige Ernährung"? Der Begriff ist nicht definiert und hört sich erstmal nur gut an. "Öfter mal" - habe ich schon gesagt, dass diese exakten, genaueren und präzisen Angaben (ironie!) total gut sind? Neee... Zu Recht (keine Ironie) So kann man diese Worthülsen besser verkaufen. Wobei es hier wohl keinen Unterschied macht ob man in 5 Minuten stückelt oder zu Fuss zu einkaufen geht. Öfter mal.

Ach ja: Was hat das mit Ernährung und Trinken zu tun? Nüscht. gar nüscht.

Fazit: Die Ernährungstipps sollten durchaus mit bedacht angesehen werden. Sie sind vielleicht nicht gerade falsch und für normal-ernährte ist es leichter das Schwein gegen Gemüse einzutauschen, aber an vielen Stellen ist es einfach hohl, nicht genau genug und suggeriert das Fett das ultimative böse ist und Zucker irgendwie okay. Das geht m.E. gar nicht.

Kommentare:

  1. Ist halt auch schwierig, Ernährungsregeln aufzustellen, die auf ALLE Bevölkerungsgruppen gleichermassen zutreffen. Die Schwammigkeit rührt sicherlich auch daher.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dann soll man das entweder so kommunizieren oder sich nicht als All-Heilmittel aufstellen. :)

      Ich denke für gesunde Menschen gibt es eine Vielzahl von Ernährungsmöglichkeiten ohne jahrelange Folgeschäden.

      Löschen