Freitag, 15. November 2013

Gedanken zum Zwingen #2


Auf diesem Wege möchte ich erstmal für die Kommentare bedanken; das Thema ist nicht leicht und kam überraschend. Für den einen oder anderen Leser könnte das geschriebene vom letzten Artikel überrascht haben - doch darf nicht vergessen werden: Das was ihr hier lest, bin nicht das komplette "ich". Das ist nur der Ausschnitt, den ich euch geben kann.

Zum Mal hoffe ich, dass man aus dem letzten Artikel gelesen hat, dass ich mir bereits Gedanken gemacht habe und immer wieder überlege wieso, weshalb, warum. Ich bin schon lange der Meinung, dass richtiges Abnehmen bei meinem Gewicht eine Kopfsache ist. Als Befürworter von NLP konnte ich nach dem dritten, vierten, fünften Mal lesen von Texten und Kommentaren immer wieder neue Glaubenssätze finden. Das sind Sätze, die aus irgendeinem Grund da sind; ohne eine tiefere Begründung zu haben... Sie sind einfach da. Der bekannteste dürfte "Ich kann das nicht" sein.

Als erstes gehe ich mal auf die Gewohnheiten ein: Ich bin der festen Überzeugung, dass es bei mir nicht nur die Gewohnheiten im klassischen Sinne sind. Damit meine ich so was harmloseres wie: Vor dem Fernseher sitzen und Chips futtern oder das Feierabendbier. Ich denke bei mir liegt das Problem tiefer (Glaubenssatz). Mit normal-schlechten Gewohnheiten schafft man sich kein 60kg Übergewicht auf die Rippen. Eine weitere Auswertung deswegen werde ich später Aufschreiben, da es den Umfang des Artikels sprengen könnte (deswegen "antworte" ich übrigens als Artikel und schreibe es nicht als Kommentar)

Ich werde jetzt einfach von mir erzählen. Genauer: Von meiner Vergangenheit. Vielleicht lichtet sich dort der eine oder andere Sachverhalt. Im Hinterkopf stellt sich bei mir dann die Frage nach dem "Klick"-Moment.

Die Grundschule war im nachhinein gesehen grausam. Kaum Freunde. Nur Feinde. Viele Wutausbrüche und im Grunde wurde ich die ganze Zeit gemobbt. Schon damals war ich übergewichtig. Die Gründe dafür sind mir heute nicht wirklich bekannt. Vielleicht schlechte Gene, kalorienreiches Essen von Mutter und so weiter. Ich wurde immer dicker, ich wurde mehr gemobbt. ("hänseln" war da schon nicht mehr der richtige Ausdruck) Ich mochte es gar nicht zur Schule zu gehen.
In der Orientierungsstufe war das nicht gerade besser. Ich habe neue Leute kennen gelernt, aber auch neue Arschlöcher. Das ging im Prinzip die ganze Zeit so weiter. In der Schule waren Idioten und zu Hause gab es nur Stress, wegen den Noten. Meine Eltern hatten einfach so geplant, das sich später aufs Gymnasium zu gehen hatte, weil... Ich weiß auch nicht.
Jedenfalls ging ich dann aufs (Fach-)Gymnasium. Es war eine ganz neue Welt. Die Leute waren freundlicher, die Lehrer "realistischer" und die Schüler akzeptierten mich. Ich wurde sogar zum Klassensprecher gewählt und bekam Lob von den Lehrer, wie ich die Schüler vertrat. Bis auf die Noten, lief es eigentlich ganz gut. Nachdem ich die 12 Klasse wiederholt habe, bin ich dann abgegangen um ein Jahrespraktikum zu machen - dort fragte man mich direkt nach einem Monat ob ich nicht eine Ausbildung machen wollte;- zu meinem Lieblingsberuf und ich sagte zu. Während der Ausbildung traf ich wieder neue Leute, die wieder freundlicher und netter waren, als die Schüler der Realschule.
Wenn ich an die Realschule und früher zurückdenke, denke ich nur in schnellen, dunklen Bildern und habe im Grunde nur schlechte Erinnerungen dran. Den Kontakt zu den Personen daher habe nicht nicht mehr. Die einzige Ausnahme bildet ein Kerl, den ich ohne zögern "bester Freund" nennen würde. Er gehört übrigens zu den Leuten, den ich alles sage - aber auch er weiß nichts von diesem Blog; nur das ermöglicht mir komplett frei zu schreiben.

Irgendwo dazwischen hatte ich mal ein kurzer Erfolgserlebnis mit meinem Fahrrad. Damals bin ich 5 Tage die Woche Fahrrad gefahren - aus Gründen, die ich heute nicht mehr weiß. Ich glaube ich bin immer dann gefahren, wenn ich mir was von der Seele essen wollte.

Das ganze hört sich jetzt an wie RTL: Wäääh... schlechte Kindheit und so. Daran kann ich halt nichts ändern. Ich will damit nur aufzeigen unter welchen Bedingungen das "Ich weiß nicht wie es ist schlank zu sein" eingeordnet werden kann oder muss. In keinem Zeitraum konnte ich mich als schlank bezeichnen. Während der Musterung zu Bundeswehr habe ich das Gewicht sogar sehr positiv erlebt: Ich stand auf der Waage und war sofort raus aus der Nummer.

Jetzt bleibe ich mal im groben Rahmen bei positiven Dingen von meinem Gewicht. Das Gewicht zu halten oder zu erhöhen kostet mich "nichts". Ich muss dafür nichts tun. Das ist schön. Warum also was ändern, wenn es doch jetzt so funktioniert wie es ist?

Dies ist eine geschickte Überleitung zu: der Bequemlichkeit in dem Satz "Ich weiß auch gar nicht woher der Wunsch kommt Gewicht verlieren zu wollen." Irgendwie hat Sudda ja Recht (Ich finde es blöd dich "Annika" zu nennen, wenn ich nicht mit meinen echten Namen arbeite :)) Irgendwie ist da ja eine gewisse Bequemlichkeit drin. Trotzdem weiß ich nicht warum ich das eigentlich will. Aus irgendeinem Grund hatte ich keinen wirklichen "Klick"-Punkt. Oder dieser Klick-Punkt ist heute egaler als sonst oder er war nicht stark genug.

Und ja: Es ist bequemer das Leben laufen zu lassen.

Jetzt versuche ich mal die gestellten Fragen in dem Kommentar zu beantworten, nachdem der neue "Input" dazugekommen ist; der sich vermutlich mehr als eine Ausredenliste liest, als irgendwas sinnvolles.

"Bewusst schreibst du, dass du weißt, dass sich nicht viel ändert, wenn du abgenommen hast, aber weißt du das auch wirklich?"

Nein, dass weiß ich nicht. Das ist ein astreiner Glaubenssatz des NLP. Ich kenne das nur von Berichten aus dem Internet. Dort lese ich viel in die Richtung: "Im Grunde bin ich die gleiche geblieben. Ich war vorher schon froh und jetzt bin ich auch noch froh".

"Charakterlich bin ich wohl die gleiche, aber alles andere.. "

Was ist "alles andere"? Du scheinst nicht umgezogen zu sein, hast den selben Mann, die selben Kinder... Deine Einstellung zu den Dingen hat sich geändert: Ja.

Ich packe mal die Frage über die Angst und dem Unbekannten in eine Frage:

Ja, ich habe Angst vor dem was kommen könnte. Ich weiß nicht ob es mir gefällt. Ich stelle es mir auch sehr anstregend vor von der jetzigen Lebensweise dauerhaft abzurücken und subjektiv diese Einschränkungen des Lebens dauerhaft halten zu können oder zu müssen. Ich fühle mich als müsste ich die ganze Zeit die Luft anhalten und den Bauch einziehen, die ganze Zeit unter Spannung zu stehen - quasi dauerhaft Stress. Und das ist etwas, was ich im Moment nicht habe und genieße: Kein Stress. Es sind keine Leute da, die mich ärgern; sondern welche die mich akzeptieren und mich voranbringen wollen. Einen solchen Chef, wie ich jetzt habe, werde ich vermutlich nicht so schnell wiederfinden.

Das müsste ich bis zu einem gewissen Grad aufgeben. Diese Entspannung. Ich bin jetzt an einem Punkt meines Lebens, wo ich wirklich das Gefühl habe, dass er vorwärts geht und ich notfalls frei bin einfach zu gehen. Insofern habe ich einen hohen Preis zu zahlen, wenn ich etwas ändern möchte.

Da stellt sich doch die Frage: Ist es das Wert es zu zahlen? Geht das Gefühl der Spannung irgendwann weg (meinetwegen nach 3 - 4 -5 Jahren) und geht dann automatisch? Ich weiß es nicht.

Du sagst ja selbst: Bei einer Sucht (war das eine Frage ob ich die habe oder eine Feststellung?) muss man ständig daran arbeiten. Ich weiß nicht ob ich das kann oder will. Ob die Vorteile davon so drastisch sind, in diesem Fall sprich: Hat es Vorteile schlank(er) zu sein oder ist es das selbe wie jetzt, nur mit Dauerstress?

Das ist leider ein Bild, dass ich mir nicht vorstellen kann. Warum auch immer. Ich tippe darauf, weil ich die Erfahrung schlicht nicht gemacht habe. Daher stellt sich für mich die Frage: Bringt es was sich was ein (Beispielhaft mal so in den Raum geworfen) Jahr lang irgendwo Essens-und Bewegungstechnisch durchzuprügeln, um die positiven Nebeneffekte zu entdecken, so das der "Preis" relativiert wird? Wäre gut, wenn es da eine Antwort drauf gäbe.

Damit der Artikel noch länger wird, schiebe ich noch mal was hinterher: Wie in den letzten Bildern zu erkennen, habe ich irgendwie abgenommen. Das sagte mir ein Trainer und das sagte mir meine Oma gestern - ich selber sehe nur die Zahlen (Gewicht, Umfang) und kann das nicht wirklich nachvollziehen und verstehe es nicht. Ja: Die Hose passt. Ich trage sie gerade. Aber ich verstehe nicht waurm und meine Freude darüber... naja: Ohne Ziel ist das eher ein neutrales Erlebnis, auch wenn sich andere mehr freuen.

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